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Photosensibilisierung
14. August 2011 - Prof. Dr. Dietrich Abeck

Unerklärlich heftiger Sonnenbrand nach dem Schwimmbadbesuch? Bizarre Rötungen an den Beinen nach einem ausgedehnten Spaziergang? Daran ist nicht immer ein unvernünftiger Umgang mit der Sonne schuld. Manchmal macht das eingenommene Antibiotikum oder der Kontakt mit bestimmten Wiesengräsern die Haut unerwartet sonnenempfindlich.

Wer Medikamente einnimmt, sollte in den Sommermonaten besonders vorsichtig sein: Zahlreiche Wirkstoffe können zu einer Photosensibilisierung führen, das heißt die Haut besonders lichtempfindlich machen, warnt Professor Dr. Dietrich Abeck. Dazu zählen unter anderem bestimmte Antibiotika, insbesondere Tetrazykline - darauf sei beispielsweise bei der Behandlung einer Borreliose im Sommer unbedingt zu achten, betont der Münchner Hautarzt. Auch manche entzündungshemmenden und schmerzlindernden Medikamente (sogenannte nichtsteroidale Antiphlogistika) sowie bestimmte Arzneimittel zur Behandlung von Rheuma, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen, ebenso wie beispielsweise Phytotherapeutika, die Johanniskraut enthalten, können die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Entsprechende Warnhinweise im Beipackzettel von Medikamenten sollte man unbedingt ernst nehmen, rät Abeck.

Ist die Haut photosensibilisiert, kann es schon bei geringfügiger UV-Einstrahlung zu sogenannten photoallergischen Reaktionen kommen. Die Haut rötet und entzündet sich und schwillt an, auch regelrechte Brandblasen können sich bilden, begleitet von brennenden Schmerzen. Anders als bei einem Sonnenbrand, der durch zuviel UVB ausgelöst wird, ist für photoallergische Reaktionen vor allem UVA verantwortlich. Neben photoallergischen Reaktionen, denen immer eine Sensibilisierungsphase vorausgeht, sind auch "spontane" phototoxische Reaktionen möglich. In Europa sind Auslöser beispielsweise Furokumarin-haltige Pflanzen wie Bärenklau oder Schafgarbe. Wenn die - insbesondere feuchte - Haut mit solchen Pflanzen in Berührung kommt, kann sich an der Kontaktstelle unter Sonneneinstrahlung eine sogenannte Wiesengräserdermatitis entwickeln.

Vorsicht ist ebenso mit Duftstoffen in Kosmetika sowie mit ätherischen Ölen wie Bergamottöl geboten. Neben entzündlichen Reaktionen kann es im weiteren Verlauf zu einer fleckig-braunen Pigmentverfärbung der Haut kommen, die manchmal über Jahre bestehen bleibt.

Der Dermatologe führt bei photoallergischen oder -toxischen Reaktionen zunächst eine anti-entzündliche Behandlung durch, die vielfach den Einsatz von Kortison-haltigen Präparaten - bei schweren Reaktionen auch in Tablettenform - verlangt. Sind die akuten Beschwerden abgeklungen, wird der Hautarzt bei Verdacht auf eine photoallergische Reaktion mit Hilfe verschiedener Tests die Auslöser ausfindig machen, die dann künftig strikt zu meiden sind.

Sollte - etwa bei notwendigen Medikamenten - Vermeiden nicht möglich sein, bleibt nur ein Verzicht aufs Sonnenbad sowie ein konsequenter Lichtschutz im Alltag durch Textilien und hochwertige Sonnenschutzprodukte. Geeignete Sonnencremes müssen neben UVB- auch UVA-Filter enthalten und dürfen selbstverständlich nicht selbst photoallergisch oder -toxisch wirken, betont Professor Abeck. So werden - wenn auch selten - Reaktionen auf den chemischen UV-Filter Oxybenzon (Benzophenon-3) gesehen, berichtet der Dermatologe. UVA dringt übrigens auch durch Fensterglas - deshalb, so rät Abeck, beispielsweise beim Autofahren an einen entsprechenden Sonnenschutz denken!

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