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Bericht von der Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG)
24. August 2013 - Dr. Uwe Schwichtenberg

Veränderungen in der Barrierefunktion der Haut und Funktionen des Immunsystems sind bei Menschen mit Neurodermitis (atopisches Ekzem) so eng miteinander verzahnt, dass sie gemeinsam betrachtet werden müssen – so der Tenor der Experten bei einem Mittagssymposium im Rahmen der 47. Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) Anfang Mai in Dresden. Vor diesem Hintergrund haben jene Therapieoptionen einen besonderen Stellenwert, die neben ihrer antientzündlichen Wirkung auch die Schutzfunktion der Haut (Barrierefunktion) positiv beeinflussen. Beide Effekte konnten in einer aktuellen Studie der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Regina Fölster-Holst, Kiel, für topisches Tacrolimus belegt werden.

Forschungsarbeiten zur Neurodermitis fördern immer mehr Details der Interaktion zwischen Umwelteinflüssen, genetischen und innerlichen Faktoren zutage und machen deutlich, wie eng Barrierestörung und Entzündungsreaktionen miteinander verzahnt sind. Professor Dr. Dr. Thomas Bieber aus Bonn unterstrich, dass die Haut von Menschen mit Neurodermitis ein abnormales Wachstum der oberen Hautschichten zeigt und über bestimmte Immunzellen verstärkt entzündungsfördernde Botenstoffe bildet. Die Barrierestörung der Haut von Menschen mit atopischem Ekzem äußert sich u.a. mit einem erhöhten Wasserverlust der oberen Hautschichten sowie einer geringeren Befeuchtung der Hautschichten darunter. Diese Veränderungen lassen sich in unterschiedlichem Ausmaß sowohl in betroffener als auch in nicht-betroffener Haut nachweisen.

Spezielle Lamellen zwischen den Zellen bestimmen die Qualität der Hautbarriere

Professor Dr. Regina Fölster-Holst aus Kiel berichtete, dass als Maß für die Funktionsfähigkeit der Hautbarriere die Schichtung spezieller Lamellen (Lipidlamellen) zwischen den einzelnen Zellen der Haut herangezogen werden. Die Bestimmung des Organisationsgrades dieser Lipidlamellen bildete auch die Basis einer aktuellen Studie, die den Einfluss der Therapie mit Tacrolimus-Salbe (Handelspräparat Protopic) auf die epidermale Barriere von Patienten mit einem akuten atopischen Ekzem untersuchte. Dabei wurden mit einem neuen schonenden Verfahren bestimmte Hautschichten von betroffenen Personen gewonnen und die Lipidlamellen mit Hilfe elektronenmikroskopischer Aufnahmen vermessen. „Diese Bilder erlauben eine zahlenmäßige Darstellung der Qualität der interzellulären Lipidlamellen bzw. der Hautbarriere. Dazu wird die Länge der Lipide in den Lipidlamellen in Nanometern bestimmt und ins Verhältnis zur Fläche der Lipidlamelle gesetzt“, so Prof. Fölster-Holst.

In einer Untersuchung mit 20 Erwachsenen, die an einer akuten Neurodermitis litten, wurden Hautveränderungen am Unterarm über zehn Tage zweimal täglich entweder mit Tacrolimus-Salbe oder einem Kortison Präparat behandelt. Die Auswertung der Daten bestätigt die antientzündliche Wirksamkeit der beider Salben: In beiden Gruppen kam es zu einem deutlichen Rückgang der Symptomatik – die Verbesserung war in beiden Gruppen vergleichbar gut. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass die Reorganisation der Hautbarriere mit Tacrolimus Salbe deutlich besser bewerkstelligt wird als mit dem Kortisonpräparat. Während der Feuchtigkeitsgehalt der Haut in der Kortison-Gruppe nahezu unverändert blieb, verdoppelte sie sich unter Tacrolimus-Salbe.

Die höhere Qualität der Barrierefunktion unter topischem Tacrolimus wird außerdem durch die Auswertung der Lipidlamellen deutlich: Sie zeigte, dass sich unter dem Kortisonpräparat die Länge der Lipidlamellen innerhalb von zehn Tagen verdoppelte, unter Tacrolimus-Salbe vervierfachte sie sich hingegen. „Die Tacrolimus-Salbe führt zu einer deutlich stärker ausgeprägten Steigerung der Lipide der Hautbarriere, als dies unter dem Kortisonpräparat der Fall ist“, so das Studienfazit von Prof. Fölster-Holst.

Proaktive Therapie verhindert akute Ekzemschübe

Um der anhaltenden "unsichtbaren" Entzündung vormals betroffener Haut bei Menschen mit atopischem Ekzem zu begegnen, ist heute statt einer rein reaktiven Behandlung akuter Ekzeme der proaktive Behandlungsansatz in den Vordergrund gerückt. Dabei wird Tacrolimus-Salbe über einen längeren Zeitraum zweimal wöchentlich auf zuvor befallene Hautareale aufgetragen.

Die Effektivität dieses Konzeptes wurde anhand klinischer Daten bestätigt. So profitierten die 257 Patienten von der proaktiven Therapie in einer von Prof. Bieber präsentierten placebokontrollierten Studie: Mehr als die Hälfte der Patienten erlitt innerhalb des Beobachtungszeitraumes von einem Jahr unter der proaktiven Therapie keinen einzigen Ekzemschub und die Zeit bis zum Auftreten des ersten Schubes war unter proaktiver Therapie deutlich länger als unter reaktiver Therapie. Eine analoge Studie mit 267 Kindern kam zu ebenso guten Ergebnissen. Die Therapie war in beiden Studien gut verträglich. Prof. Bieber erklärte: „Erfreulich dabei ist auch die Tatsache, dass sich in den Studien die unter proaktiver Therapie verbrauchte Salbenmenge pro Jahr nicht von der unter reaktiver Behandlung unterschied.“ Abschließend unterstrich Prof. Bieber das gute Sicherheitsprofil von Tacrolimus Salbe.

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