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Basistherapie und Behandlung von Ekzemschüben
11. September 2014 - Dr. Uwe Schwichtenberg

Eine gestörte äußere Hautschicht (epidermale Barriere) gehört Prof. Dr. Regina Fölster-Holst zufolge zu den zentralen Ursachen der Neurodermitis (atopisches Ekzem). Der Defekt erleichtert die Penetration von Schadstoffen und Allergenen, was über immunologische Mechanismen eine atopische Entzündung der Haut auslösen kann. „Um die Hautbarriere atopischer Haut zu stabilisieren und Ekzemschübe möglichst zu vermeiden, wird seit langem der regelmäßige Einsatz von Feuchtigkeit- und Fett-spendenden Hautpflegemitteln (Emollienzien) empfohlen. Trotzdem gab es bisher nur wenige gesichterte Daten zum Einfluss dieser Basistherapie auf die Hautbarriere“, berichtete Prof. Fölster-Holst im Rahmen der 24. Fortbildungswoche für Dermatologie und Venerologie in München.

Eine aktuelle Studie untersuchte deshalb den Effekt eines wirkstofffreien Emolliens mit Cholesterol, essenziellen Fettsäuren und Ceramiden (Handelpräparat Alfason Repair®) auf die Barrierefunktion der nicht-entzündeten Haut. Zehn Patienten mit atopischem Ekzem wendeten dazu 14 Tage lang zweimal täglich das Pflegepräparat auf einem Unterarm an. Im Vergleich mit unbehandelter Haut (Rechts-Links-Vergleich) profitierten die Teilnehmer mit einer deutlichen Verbesserung von SCORAD (SCORing Atopic Dermatitis) und Hauthydratation. Außerdem wurde eine Auswertung elektronenmikroskopischer Bilder der interzellulären Lipidlamellen vorgenommen. Dabei wurde deutlich, dass die Basistherapie zu einer Zunahme der Lipidlamellen sowie einem höheren Organisationsgrad dieser Strukturen führt. Prof. Fölster-Holst erklärte: „Die Schichtung der Lipidlamellen im Interzellularaum kann als Maß für die Funktionsfähigkeit der Hautbarriere herangezogen werden. Diese neuen Daten bestätigen, dass die Patienten tatsächlich von der Basistherapie mit einem geeigneten Produkt profitieren.“

Kommt es im Verlauf der Erkrankung zu einem akuten Ekzemschub, stehen äußerliche antientzündliche Therapieoptionen – Kortisonpräparate und Calcineurin-Inhibitoren – im Vordergrund. Topische Calcineurin-Inhibitoren (TCI) weisen dabei im Gegensatz zu Kortisonpräparaten auch bei längerer Anwendung kein Risiko einer Hautverdünnung auf. Die Therapie mit dem TCI Tacrolimus Salbe hat dabei neben der antientzündlichen Wirkung auch einen positiven Einfluss auf die Neuorganisation der epidermalen Barrierelipide.

Dies bestätigen Daten einer Studie, die ebenfalls auf der Auswertung interzellulärer Lipidlamellen basiert. In dieser Untersuchung behandelten Patienten mit atopischem Ekzem akute Neurodermitis-Herde am Unterarm zehn Tage zweimal täglich entweder mit Tacrolimus-Salbe oder einer Kortison-Fettcreme. Es bestätigte sich zunächst die effektive antientzündliche Wirksamkeit beider Präparate. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass die Neuorganisation der Hautbarriere mit Tacrolimus-Salbe deutlich besser bewerkstelligt wird: Unter dem Kortisonpräparat verdoppelte sich die Länge der Lipidlamellen im Zwischenzellraum innerhalb von zehn Tagen, unter Tacrolimus-Salbe vervierfachte sie sich hingegen. „Die 0,1%-ige Tacrolimus-Salbe führt zu einer deutlich stärker ausgeprägten Steigerung der Lipide der Hautbarriere, als dies unter dem Kortisonpräparat der Fall ist“, kommentierte Prof. Fölster-Holst.

Neben der Barrierestörung weist die Haut von Menschen mit einem atopischen Ekzem auch außerhalb des akuten Schubes eine anhaltende unterschwellige Entzündung auf – die Grundlage für die nächste Verschlechterung der Haut. Deshalb ist heute statt einer rein reaktiven Behandlung akuter Ekzeme der proaktive Behandlungsansatz in den Vordergrund gerückt. Beim proaktiven Ansatz wird Tacrolimus-Salbe über einen längeren Zeitraum zweimal wöchentlich auf zuvor befallene Hautareale aufgetragen.

Auf dem Kongress in München stellte auch Prof. Andreas Wollenberg, bekannt aus der "Sprechstunde" auf Neurodermitistherapie.info, die Ergebnisse einer klinischen Studie vor. In dieser profitierten die Patienten von der proaktiven Therapie (vorbeugende Anwendung von Tacrolimus-Salbe 2x/Woche) mit einer geringeren Zahl an akuten Ekzemschüben im Vergleich zu Patienten, die nur eine reaktive Therapie erhalten hatten (Tacrolimus-Salbe nur beim Ekzemschub). So war unter der proaktiven Therapie die Zeit bis zum Auftreten des ersten Schubes fast zehnmal so lange als unter reaktiver Therapie (15 vs. 142 Tage). Eine analoge Studie mit Kindern kam zu vergleichbar guten Ergebnissen. Die Therapie war in beiden Studien gut verträglich. Wollenberg betonte: „Erfreulicherweise unterschied sich die in den Studien unter proaktiver Therapie verbrauchte Salbenmenge pro Jahr nicht von der unter reaktiver Behandlung.“

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