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Nahrungsmittelallergien und Neurodermitis im Kindesalter

Säuglinge und Kinder, aber auch Erwachsene mit Neurodermitis, sind insgesamt häufiger von einer Nahrungsmittelallergie betroffen als hautgesunde Personen. Im Kindesalter kommen vor allem Eier, Milchprodukte, Fisch, Nüsse, Erdnüsse, Weizen und Soja als Auslöser einer Nahrungsmittelallergie in Betracht. Die Neurodermitis alleine jedoch schränkt die Nahrungsmittelauswahl nicht ein. Dies ist nur erforderlich, wenn nachgewiesene Unverträglichkeiten auf einzelne Nahrungsmittel vorliegen. Es gibt aber kein einziges Nahrungsmittel, das von jedem Neurodermitis-Patienten nicht vertragen wird. Pauschaldiäten bei Neurodermitis sind daher nicht gerechtfertigt. Grundsätzlich ist es wichtig, dass Kinder kindgerecht und vollwertig ernährt werden. Und da Ernährung lediglich einer von vielen möglichen Provokationsfaktoren der Neurodermitis ist, ist hier eine sorgfältige Diagnostik erforderlich.

Ein Allergietest im Blut (RAST) kann einen Hinweis darauf geben, dass eine Nahrungsmittelallergie vorliegt, stellt aber für sich keinen Beweis dar. Daher ist es zunächst erforderlich auszutesten, ob bestimmte Lebensmittel eine Auswirkung auf den Hautzustand des Kindes haben. Diese Austestung erfolgt in Absprache mit dem behandelnden Arzt und mit einer allergologisch versierten Ernährungsfachkraft. Die verdächtigen Nahrungsmittel wie z.B. Milchprodukte oder Eier sollten dabei für ca. 10 Tage konsequent weggelassen und die Haut des Kindes beobachtet werden. Um eine hundertprozentige Meidung zu gewährleisten, ist eine diagnostische Ernährungsberatung notwendig. Bessert sich der Hautzustand, werden die einzelnen Lebensmittel im Rahmen eines Provokationstests wieder eingeführt. Dabei wird geschaut, ob die Gabe des Lebensmittels auch eine Verschlechterung der Haut zur Folge hat. Ist eine Nahrungsmittelallergie über eine solche Provokation nachweisbar, sind die entsprechenden Allergene unbedingt zu meiden. Hierzu ist eine fachlich versierte therapeutische Ernährungsberatung erforderlich. Insofern eine vermutete Lebensmittelallergie für ausgeprägte Hautveränderungen oder sogar für potentiell lebensbedrohliche Reaktionen wie z.B. einen allergischen Schock verantwortlich gemacht wird, so ist eine Provokationstestung nur im Krankenhaus unter stationären Bedingungen oder eventuell auch gar nicht möglich. Zur Austestung nicht-allergisch bedingter Unverträglichkeiten sollte ein Ernährungs-/Symptom-Protokoll geführt werden. Auf diese Weise kann nachvollzogen werden, wann welches Nahrungsmittel gegeben wurde und wie sich der Hautzustand täglich beschreiben lässt. "Die Reaktionen können jedoch bis zu 24 Stunden auf sich warten lassen", betont die Ernährungsberaterin Dr. Imke Reese aus München, Mitglied des Sprechstundenteams von Neurodermitistherapie.info.

"Bei einem Grundnahrungsmittel wie Weizen kann sich die diagnostische Diät auf 2-4 Wochen ausdehnen, wenn der Zustand der Haut sehr schlecht ist ", empfiehlt Fr. Dr. Reese. "Dazu ist eine detaillierte Ernährungsberatung zum Vorkommen notwendig. Im Anschluss kann dann mit einer verdeckten Gabe von Weizen unter Aufsicht eines Arztes "provoziert" werden. Nur nach einer positiven Provokation kann man sicher davon ausgehen, dass das entsprechende Nahrungsmittel nicht vertragen wird und folglich streng gemieden werden muss. Im gleichen Verfahren kann auch Dinkel, Grünkern und Kamut ausgetestet werden. Alle drei Getreidesorten sind Varianten von Weizen und sollten bei einer Weizenallergie nicht gegessen werden, sofern sie nicht als verträglich getestet wurden. Als Alternative bleiben reine Roggenbrote, auch Roggenknäckebrot, Hafer, Buchweizen, Hirse, Quinoa u.a.. Eine Weizenmeidung ist mitunter sehr schwierig umzusetzen, da Weizen in vielen Nahrungsmitteln vorkommen kann. In der Regel gilt die Diagnose „Weizenallergie“ jedoch nicht lebenslänglich."

Hinsichtlich der Unverträglichkeit von Milchprodukten empfiehlt Fr. Dr. Reese: "Liegt eine Kuhmilchallergie im Säuglingsalter vor, muss auf eine hochgradig hydrolysierte Säuglingsnahrung oder auf eine Nahrung auf Aminosäurebasis zurückgegriffen werden. Diese sind in der Apotheke zu beziehen. Kuhmilch ist in unseren Breitengraden in der Tat der wichtigste Calciumlieferant. Wenn Kuhmilch nicht vertragen wird, sollte immer analysiert werden, ob die Ernährung bedarfsdeckend ist, denn es ist nicht immer leicht, ausreichend Calcium zuzuführen. Am einfachsten gelingt dies mit Hilfe einer allergologisch versierten Ernährungsfachkraft. Dort sind Eltern auch im Hinblick auf die Beratung der Ersatzmöglichkeiten am besten aufgehoben. Die Beratungskosten zahlt, wenn der Arzt dies schriftlich befürwortet, in der Regel zum Großteil die Krankenkasse. Ziegenmilch und Schafsmilch werden von Kuhmilchallergikern nur sehr selten vertragen, weil das häufigste Allergen der Kuhmilch auch in den anderen Milchen vorkommt. Calciumangereicherte Sojaprodukte sind dagegen nach den ersten sechs Lebensmonaten eine gute Alternative. Denn die Gefahr, eine Sojaallergie zu entwickeln, ist ab dem 2. Lebenshalbjahr nicht mehr erhöht. Nur wenn wirklich eine Sojaallergie vorliegt, sollte Soja gemieden werden. Es gibt aber auch calciumangereicherte Hafermilch. Calciumreiche Gemüsesorten und Mineralwasser können zu einem ausreichenden Bedarf beitragen, ihn aber nicht eigenständig decken."

Es ist auch möglich, dass die Ernährung der Mutter die Haut des Kindes beeinflusst. Bei sehr ausgeprägter Neurodermitis wird von einigen Ärzten sogar geraten, komplett abzustillen und auf ein Extensivhydrolysat bzw. eine Aminosäurenahrung umzustellen. Über ein Ernährungstagebuch kann auch hier versucht werden herauszufinden, ob es Zusammenhänge zwischen der mütterlichen Ernährung und der Haut des Säuglings gibt. Versuchsweise können auch für maximal 10 Tage verdächtige Lebensmittel der wichtigsten Allergene im Kindesalter (Milch, Ei, Weizen, Soja, Fisch sowie Erdnüsse und Nüsse) vollständig weglassen werden um zu überprüfen, ob dies einen Einfluss auf die Haut hat.

Weiterführende Informationen zu diesem Thema finden Sie auf dieser Website auch im Fragenarchiv zur Therapie der Neurodermitis im Kindesalter in den Abschnitten "Ernährung bei Neurodermitis im Kindesalter" und "Kuhmilchallergie bei Neurodermitis im Kindesalter". Informationen aus dem Internet sind jedoch alleine in keinem Falle ausreichend, um eine individuelle Ernährung bei Nahrungsmittelallergie zu ermöglichen. Eine Ernährungsberatung bei einer allergologisch erfahrenen Ernährungsfachkraft ist dafür unerlässlich.

Im Internet bieten verschiedene Vereine Informationen an, an wen man sich zur Ernährungsberatung bei Kindern und Erwachsenen in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt wenden kann. Informationen zur Ernährung im Kindesalter bietet das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund www.fke-do.de. Dieses Institut verfügt auch über Informationsbroschüren zu Ernährung bei Allergierisiko, Neurodermitis, Kuhmilchallergie etc.. Allergologisch erfahrene Ernährungsberaterinnnen und Ernährungsberater (Oecotrophologen) finden Sie auf der Website des Arbeitskreises Diätetik in der Allergologie unter www.ak-dida.de. Außerdem bieten der Verband der Diplom-Oecotrophologen e.V. (VDOE) und der Verband der Diätassistenten - Deutscher Bundesverband e.V. (VDD) auf ihren Websites Beraterlisten an.

Der Deutsche Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB e.V.) bietet auf seiner Website Informationen zur Milcheiweiß-Allergie, Soja-Allergie, Lactose-Intoleranz, Hühnerei-Allergie, Histamin-Intoleranz, zu Nickel im Essen und zur Ernährung bei Neurodermitis. Um eine Qualitätssicherung in der Ernährungsberatung bei Nahrungsmittelallergien, Prävention und Neurodermitis zu sichern, hat der DAAB ein Netzwerk ins Leben gerufen, in dem sich Oecotrophologen mit diesen Beratungsschwerpunkten registrieren lassen können. Informationen zu qualifizierten Ernährungsberaterinnen und -Beratern in der Nähe erhalten Betroffene unter info@daab.de.

letztes update dieser seite: 2015-01-15 | © 2015

 
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